Ikarische Linse (neu gezüchtete Sorte)
Die Linse ist als grundlegende Hülsenfrucht der mediterranen Ernährung ein Fundament für die Langlebigkeit der Bewohner der Insel Ikaria, einer der weltweit anerkannten Blauen Zonen (Blue Zones). Die griechische Sorte „Ikaria“ zeichnet sich durch ihre qualitativen und geschmacklichen Eigenschaften aus und ist das Ergebnis eines Züchtungsprogramms, das speziell an die trocken-heißen Bedingungen der Ägäis angepasst wurde, während ihr Verzehr untrennbar mit der traditionellen ikariotischen Ernährung verbunden ist, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln und Hülsenfrüchten ist.
Die „Linse Ikarias“ bezieht sich konkret auf die griechische Linsensorte „Ikaria“ (Lens culinaris Medik.), die keine lokale Population der Insel darstellt, sondern eine neugezüchtete Sorte des Instituts für Futterpflanzen & Weiden (IΚF & B) in Larisa ist. Sie wurde durch Kreuzung der griechischen Sorte „Thessalia“ mit einer aus Frankreich eingeführten Population geschaffen. Diese Sorte wird auch auf der Insel Ikaria angebaut, wo sie in den Rahmen der gesunden Ernährung der Blauen Zone eingeordnet ist. Sie trägt weder den Status einer geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U.) noch einer geschützten geografischen Angabe (g.g.A.), da es sich um eine verbesserte Sorte und nicht um eine lokale Population handelt. Sie wird als breitkörnige bzw. großkörnige Sorte charakterisiert, mit besonders breiten und großen Samen von hellgrüner oder gelblich-grüner Farbe ohne Sprenkel. Das Tausendkorngewicht liegt zwischen 75 und 85 Gramm und unterstreicht die große Korngröße. Die Sorte wird besonders geschätzt wegen ihrer ausgezeichneten Kocheigenschaften und ihres außerordentlich schmackhaften Geschmacks.
Die pedoklimatischen Bedingungen der Insel, die durch ein mediterranes Klima mit milden, regenreichen Wintern und trockenen, warmen Sommern gekennzeichnet sind, in Verbindung mit den bergigen und halbbergigen, nicht bewässerten Feldern, sind ideal für den Anbau der Linse, einer Pflanze, die gegenüber Trockenheit widerstandsfähig ist.
Die Linse ist eine einjährige Herbstkultur, die traditionell auf nicht bewässerten, regenabhängigen Trockenfeldern Ikarias angebaut wird. Die Sorte „Ikaria“ ist mittelfrüh, weist einen halbaufrechten Wuchs auf und zeigt Kältetoleranz gegenüber den winterlichen Temperaturen (bis −10 ∘C) sowie Widerstandsfähigkeit gegen Falschen Mehltau (Peronospora lentis), was sie für mediterrane Bedingungen geeignet macht. Der Anbau erfolgt häufig in Fruchtfolge, hauptsächlich mit Weizen, eine Praxis, die die Bodenfruchtbarkeit durch die Stickstofffixierung der stickstoffbindenden Bakterien in den Wurzelknöllchen verbessert und so den Bedarf an Stickstoffdüngung verringert.
Der Anbauprozess umfasst:
- Bodenbereitung: Ein Pflügen erfolgt früh im Herbst.
- Aussaat: Zur Erreichung der optimalen Bestandsdichte (etwa 150.000 Pflanzen/Feddan) sind 11−12 kg Saatgut pro Feddan erforderlich.
- Ernte: Die Ernte findet üblicherweise im Juni statt, wenn die Pflanzen reif sind.
- Standardisierung: Nach dem Dreschen werden die Samen gereinigt und getrocknet. Der durchschnittliche Hektarertrag der Sorte liegt auf Trockenfeldern bei 140−180 kg pro Feddan, ein bemerkenswerter Ertrag unter Trockenbedingungen. Die Sorte wird auch für den ökologischen Landbau empfohlen.
Der Anbau von Linsen trägt, selbst wenn er nur in begrenztem Umfang betrieben wird, wesentlich zur landwirtschaftlichen Selbstversorgung und zur Ernährungssicherheit Ikarias bei. Als grundlegender Bestandteil der Ernährung in der Blauen Zone hat die Linse zur Bekanntheit der Insel als Vorbild für eine gesunde Lebensweise beigetragen. Die Erhaltung des Hülsenfruchtanbaus, häufig mit traditionellen und biologischen Methoden, bewahrt die landwirtschaftliche Tradition und das besondere Ernährungsmodell der Ikarioten. Gleichzeitig stellt die Sorte „Ikaria“ ein nationales genetisches Reservoir dar, das an die mediterranen Bedingungen angepasst ist und zur Stärkung des Hülsenfruchtanbaus auch in anderen Trockengebieten des Landes genutzt werden kann.
Die ikariotische Linse stammte, bevor die Sorte „Ikaria“ vom IKF & B Larisa entwickelt wurde, aus lokalen Populationen und wurde auf traditionelle, regenbewässerte Weise angebaut, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.
Auf Ikaria, wie auch in ganz Griechenland, ist die Linse ein vorzügliches Fastengericht, das während der Fastenzeiten weit verbreitet verzehrt wird. Das traditionelle Rezept der Linsensuppe (Fakes) ist nicht einfach nur ein Gericht, sondern Teil der alltäglichen schlichten und gesunden Ernährungsphilosophie der Insel. Sie wird häufig mit reichlich Olivenöl (das am Ende hinzugefügt wird), Gemüse und Kräutern zubereitet und folgt der Philosophie einer ganzheitlichen Ernährung.