Oregano Arethusa
Der Anbau und der Verzehr von Feigenkaktusfrüchten (Opuntia ficus-indica) auf Ikaria ist Teil der umfassenderen Tradition der Insel, trockenwarme und karge Böden zu nutzen und so zu einer Ernährung beizutragen, die reich an Ballaststoffen und Vitaminen ist. Die Feigenkaktusfrucht, als Frucht eines sukkulenten Kaktus, ist äußerst widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und hohen Temperaturen und stellt damit eine ideale Kultur für Mittelmeerinseln wie Ikaria dar, wo die Niederschläge häufig begrenzt sind.
Das Produkt betrifft die Früchte der Pflanze Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica), die zur Familie der Kakteengewächse (Cactaceae) gehört. In Griechenland ist sie auch unter den Bezeichnungen „Pavlósiko“ oder „Indische Feige“ bekannt. Es handelt sich um eine eiförmige oder zylindrische Frucht mit einer Länge von etwa 5–10 cm und einem Gewicht von 80–200 g, mit hervorragendem, aromatischem Fruchtfleisch und einer Vielzahl harter Samen.
Der Anbau des Feigenkaktus auf Ikaria findet hauptsächlich auf steinigen, trockenen und dürren Böden statt, die arm an organischer Substanz und Nährstoffen, aber gut drainiert sind. Diese Böden, die häufig als ungeeignet für andere Kulturen gelten, werden vom Feigenkaktus aufgrund seiner besonderen Physiologie bestens genutzt, die ihm ermöglicht, Wasser in seinen Geweben zu speichern und die Transpiration zu verringern. Das Klima Ikarias, das trocken-warm und mediterran ist, mit langen Sonnenperioden, ist ideal für die Entwicklung des Feigenkaktus. Die Widerstandsfähigkeit der Pflanze gegenüber Bedingungen von Wasserstress (Trockenheit) steht vollkommen im Einklang mit dem Bedürfnis der Bewohner Ikarias, jeden Quadratmeter Land mit möglichst geringem Wasserverbrauch zu nutzen.
Der Anbau des Feigenkaktus auf Ikaria folgt, wie auch in vielen anderen Mittelmeergebieten, traditionellen und extensiven Methoden, die besonders umweltfreundlich sind und mit der Philosophie biologischer Landwirtschaft im Einklang stehen.
Pflanzung und Pflege
Die Vermehrung der Pflanze ist äußerst einfach und erfolgt traditionell durch Stecklinge (die sogenannten „Pads“ oder „Blätter“), bei denen es sich um Teile des Sprosses handelt. Der Steckling wird von der Mutterpflanze abgeschnitten und vor dem Einpflanzen etwa 4–7 Tage lang zum Verheilen liegen gelassen, um Pilzinfektionen zu vermeiden. Anschließend wird er senkrecht in den Boden gepflanzt, etwa zu einem Drittel seiner Länge. Der Feigenkaktus erfordert nach der Etablierung keine Bewässerung, abgesehen möglicherweise von einem anfänglichen Gießen zur schnelleren Bewurzelung, und sein Überleben beruht auf der Wasserspeicherung in seinen sukkulenten Sprossen. Die Pflanzungen erfolgen in weiten Abständen, üblicherweise mit Distanzen von 5 x 5 Metern, was eine ungehinderte Entwicklung ermöglicht.
Anbauarbeiten
Die wichtigsten Anbauarbeiten umfassen den Schnitt, der notwendig ist, um die Form der Pflanze zu gestalten, missgebildete oder beschädigte Sprosse zu entfernen sowie die Durchlüftung und die Ernte zu erleichtern. Der Schnitt erfolgt in der Regel im Frühjahr oder Spätsommer. Die Düngung, falls sie als notwendig erachtet wird, sollte vorzugsweise organisch sein und sich vor allem auf Phosphor und Kalium konzentrieren, wobei chemische Dünger vermieden werden, insbesondere in Biobetrieben. Häufig erfolgt zudem die Entfernung der ersten Blüten oder der unreifen Früchte, um die Qualität und Größe der Endfrüchte zu verbessern (Re-Blooming oder „scozzolatura“, eine Praxis, die den zweiten, qualitativ hochwertigeren Fruchtansatz fördert).
Ernte und Verarbeitung
Die Ernte der Früchte findet hauptsächlich in den Sommermonaten statt (Zeitraum Juli–September). Der Vorgang ist aufgrund der Stacheln (Glochiden) der Frucht, winziger Härchen, die Reizungen verursachen, besonders mühsam. Traditionell erfolgt die Sammlung mit langen Werkzeugen (z. B. einer Stange mit aufgenagelter Blechdose oder einem Behälter), um die Frucht abzulösen. Nach der Ernte ist die Entfernung der Stacheln entscheidend und umfasst häufig Praktiken wie das Reiben der Früchte in Säcken oder das Waschen mit Wasser, damit sie als „stachelfrei“ auf den Markt gebracht werden können. Auf Ikaria umfasst die Verarbeitung der Kaktusfeigen den Verzehr als frische Frucht sowie die Herstellung von Marmeladen, eingelegten Süßigkeiten, Likören, Säften und anderen Produkten, wodurch ihr Nährwert voll ausgeschöpft wird.
Der Feigenkaktus auf Ikaria hat neben seiner ernährungsphysiologischen Rolle eine bedeutende ökologische und wirtschaftliche Wirkung. Ökologisch trägt er als Pflanze, die unter trockenen Bedingungen und auf kargen Böden gedeiht, zur Bodenverbesserung und zum Erosionsschutz in Gebieten mit starken Hanglagen bei. Sein Anbau fügt sich ideal in den Rahmen des biologischen und nachhaltigen Landbaus ein, da er nahezu kein Wasser und keine chemischen Düngemittel/Pestizide benötigt. Wirtschaftlich bietet der Feigenkaktus den Landwirten Ikarias eine alternative Einkommensquelle, insbesondere durch die Verarbeitung der Früchte zu Produkten mit hoher Wertschöpfung (Liköre, Marmeladen, Säfte) und durch seine Verknüpfung mit dem Branding Ikarias als „Blaue Zone“ und touristisches Reiseziel mit Schwerpunkt auf gesunder Ernährung.
Der Feigenkaktus (Opuntia ficus-indica) stammt aus Mexiko und wurde im 16. Jahrhundert (etwa 1521–1523) von den spanischen Eroberern nach Europa gebracht. Seine schnelle Verbreitung in den Mittelmeerländern ist seiner Fähigkeit zuzuschreiben, sich an trockene Klimate anzupassen, sowie seinen süßen Früchten. Auf Ikaria war der Feigenkaktus stets ein wichtiges Ergänzungsnahrungsmittel für die Bevölkerung, insbesondere in Zeiten starker Trockenheit oder Mangels an anderen Früchten. Traditionell wurde er nicht als systematische Kulturpflanze betrachtet, sondern als eine wildwachsende, widerstandsfähige Pflanze, die Grundstücke begrenzte und mühelos Nahrung bot.
Auf Ikaria, wie auch auf anderen Inseln, waren die Ernte und das Schälen der Kaktusfeigen ein besonderes sommerliches Ritual. Das Wissen über die sichere Art der Sammlung (unter Verwendung von Stangen und Eimern) und über das Entfernen der Stacheln (durch Reiben oder Wasser) wurde von Generation zu Generation weitergegeben und stellte ein charakteristisches Element des lokalen Volkswissens dar. Darüber hinaus wurde die Frucht aufgrund ihres hohen Gehalts an Wasser und Nährstoffen traditionell häufig mit der Linderung von Durst und der Hydration während der heißen Sommermonate in Verbindung gebracht.