Lathouri (Hülsenfrucht)
Die Platterbse (Lathyrus sativus), in anderen Regionen auch als Erbse oder Kichererbse bezeichnet, ist eine der ältesten angebauten Hülsenfrüchte in Griechenland und im Mittelmeerraum, die insbesondere wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenbedingungen und ihres Nährwerts sehr geschätzt wird. Auf Lesbos ist der Anbau der Platterbse Teil der landwirtschaftlichen Tradition und der Fruchtfolge, insbesondere in Gebieten mit weniger fruchtbaren oder trockenen Böden, wo andere, anspruchsvollere Hülsenfrüchte nur schwer gedeihen. Die Platterbse von Lesbos ist nach wie vor in kleinbäuerlichen Betrieben präsent und in die lokale Küche integriert, insbesondere für die Zubereitung der traditionellen Fava (daher auch das Synonym).
Die Einzigartigkeit der Platterbse von Lesbos hängt mit ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber den lokalen Boden- und Klimabedingungen sowie mit ihrer Verbindung zur traditionellen Fava-Herstellung zusammen.
- Identifizierung, Synonyme, Varianten: Das Produkt ist der Samen der Platterbse (Lathyrus sativus). Das wichtigste Synonym in der verarbeiteten Form ist Fava. Häufig werden auch die Synonyme „essbare Platterbse“ oder „zahme Platterbse“ verwendet.
- Grundlegende Spezifikationen: Die Qualität der Platterbse wird am kleinen bis mittleren Samenkorn, am hohen Proteingehalt und an der Fähigkeit gemessen, nach dem Kochen leicht zu zerfallen, um bei der Zubereitung der Fava eine samtige Textur zu erhalten. Der Anbau, insbesondere durch Kleinproduzenten, folgt trockenen, biologischen Bewirtschaftungspraktiken.
Der Anbau der Platterbse auf Lesbos konzentriert sich hauptsächlich auf Ebenen und halbmastige Lagen mit armen, trockenen oder kalkhaltigen Böden, die sich nicht für anspruchsvollere Kulturen wie Zitrusfrüchte eignen.
Gebiete wie Kalloní und bestimmte Felder rund um Mytilini und Agiásos weisen Platterbsenanbau auf. Die Fähigkeit der Pflanze, unter trockenen und heißen Bedingungen mit minimaler Bewässerung zu gedeihen, macht sie ideal für das mediterrane Klima der Insel. Darüber hinaus wird die Platterbse als Leguminose in die Fruchtfolge einbezogen und trägt durch die Stickstoffbindung zur natürlichen Regeneration der Olivenhaine und Getreidefelder der Insel bei.
Die Anbaumethode der Platterbse auf Lesbos ist geprägt von traditioneller Trockenfeldwirtschaft und der Nutzung der Pflanze als natürlichen Bodenverbesserer.
- Bodenklimatische Ansprüche: Die Lathyrus-Erbse weist eine ausgezeichnete Trockenheits- und Kälteresistenz auf und benötigt keine nährstoffreichen Böden. Ihr Anbau auf Lesbos erfolgt hauptsächlich durch Herbstaussaat (Oktober – November).
- Anbau & Fruchtfolge: Die Lathyrus-Erbse ist eine grundlegende Hülsenfrucht für die Fruchtfolge (Wechsel der Kulturen). Wie Lupinen ist sie in der Lage, atmosphärischen Stickstoff an ihren Wurzeln zu binden, den Boden anzureichern und den Bedarf an chemischen Düngemitteln für die nachfolgenden Kulturen (Getreide oder Gemüse zur menschlichen Ernährung) zu verringern.
- Ernte: Die Ernte erfolgt im Sommer (Juni – Juli), wenn die Schoten getrocknet sind. Sie wird entweder mechanisch (für größere Flächen) oder von Hand auf kleineren Betrieben durchgeführt.
- Standardisierung (Verarbeitung zu Fava): Für die Herstellung von Fava werden die Samen geschält und gebrochen (Zermahlen), um die Samenschale zu entfernen und nur den inneren Teil der Frucht (Kotyledonen) zu erhalten. Dieser Prozess verkürzt die Kochzeit und verleiht die charakteristische Textur, die für das Püree erforderlich ist.
Der Anbau von Lathouri auf Lesbos trägt zur Erhaltung traditioneller landwirtschaftlicher Praktiken und zur wirtschaftlichen Nachhaltigkeit der Landwirte in Regionen mit begrenzten natürlichen Ressourcen bei.
Als Kulturpflanze, die nur minimale Inputs (Wasser, Dünger) benötigt, unterstützt sie eine umweltfreundliche Landwirtschaft und die Senkung der Produktionskosten. Die Existenz einer lokalen Lathouri-Produktion gewährleistet die Kontinuität der gastronomischen Identität von Lesbos, indem sie den Rohstoff für die traditionelle Fava und andere Hülsenfruchtgerichte liefert.
Der Anbau von Lathouri in Griechenland geht auf die Jungsteinzeit zurück. In der Ägäis war Lathouri seit jeher ein Nahrungsmittelspeicher in Zeiten der Entbehrung, aufgrund seiner großen Widerstandsfähigkeit und seines hohen Nährwerts.
Auf Lesbos war der Anbau von Lathouri, wenn auch in kleinerem Umfang als der Olivenanbau, von entscheidender Bedeutung für die Selbstversorgung der bäuerlichen Familien. Das Wissen über die Auswahl der geeigneten Samen und die Art der Zubereitung der Fava (Reinigung, Schälen) stellt ein immaterielles Kulturerbe dar, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Lathouri, zu Fava verarbeitet, ist auf Lesbos mit saisonalen Bräuchen und gemeinschaftlichen Zusammenkünften verbunden.
- Fastenspeise: Fava ist aufgrund ihres hohen Proteingehalts ein klassisches Fastengericht, das während der Fastenzeit (Sarakosti) und anderer Fastenzeiten weit verbreitet verzehrt wird. Traditionell wird es mit lokalem Öl (Olivenöl von Lesbos), Zwiebel und Kapern (wo vorhanden) serviert.
- Soziale Verbundenheit: Bei traditionellen Veranstaltungen und Festen in den Dörfern von Lesbos ist Fava häufig Teil der gemeinsamen Tafel und symbolisiert Einfachheit und Nährung.
Die Lathouri-Erbse von Lesbos hat aufgrund des kleinräumigen Anbaus und der Fokussierung auf den lokalen Markt keine bedeutenden internationalen Auszeichnungen verzeichnet. Dennoch wird ihre Qualität vor Ort anerkannt.